BEITRAG

Die Museggmauer und ihre neun Türme

Zeitzeugen der Vergangenheit

Nähern Sie sich Luzern vom Luzerner Seebecken her, begrüsst Sie das mittelalterliche Bauwerk bereits aus der Ferne.

Noch heute präsentiert sich die Museggmauer mit ihren neun Türmen, als wollte sie die Stadt vor Feinden beschützen. Obwohl das imposante Bauwerk bereits während seiner Bauzeit aus militärisch strategischer Sicht wenig wirksam war, überlebte es die Jahrhunderte.

9 Türme mit bewegter Geschichte

Die Türme wurden ursprünglich als in Stadtrichtung offene Schalentürme gebaut; im Verlauf der Jahrhunderte jedoch baulich geschlossen. Sie dienten vor allem als Lagerräume für die unterschiedlichsten Waren, als Wachtturm und in neuerer Zeit als Archiv. Besonderen Eindruck hinterlassen die in den Sommermonaten frei begehbaren Türme:

Zytturm

Luzern besass die erste Stadtuhr mit automatischem Stundenschlag. Allerdings ging das 1385 hergestellte Uhrwerk vorerst im Graggtor in Betrieb. Erst Im Jahr 1403 übersiedelte es in den 31 Meter hohen Zytturm auf Musegg. Seit Jahrhunderten verkünden das 1535 erneuerte Uhrwerk täglich die volle Stunde. Diese schlägt gemäss altem Recht noch immer eine Minute vor der vollen Stunde. Der Zytturm mit seinem beindruckenden Uhrwerk ist seit 1951 öffentlich zugängig.

Schirmerturm

Mit einer Höhe von 27,5 Metern zählt der Schirmerturm zu den kleineren Türmen in der Museggmauer. Er wurde ursprünglich als Schalenturm gebaut und im 15. Jahrhundert aufgrund statischer Probleme geschlossen. 1995 wurde der öffentlich begehbare Turm teilweise durch einen Brand zerstört und umfassend restauriert.

Männliturm

Mit Aufbau ist der Männliturm stattliche 33 Meter hoch. Besonders prägnant sind die beiden Erkertürmchen mit Pyramidendach, die von zwei Meter hohen Halbfiguren gekrönt werden.

Wachtturm oder Heuturm

Der öffentlich begehbare Turm ist 44 Meter hoch und diente über lange Zeit als Pulverturm. Im Sommer 1701 explodierte das gelagerte Pulver durch Blitzeinschlag und richtete in der ganzen Stadt grosse Schäden an. 1768 löste der Turm den Luegisland als Wachtturm ab. Noch heute ist die alte Wachstube mit Kachelofen, Gängen und Dacherkern erhalten.

Luegisland

Mit 52,6 Meter ist der Luegisland der höchste der neun Türme und für die Öffentlichkeit nicht begehbar. Er bot den hier hausenden Wächtern einen hervorragenden Überblick über die Stadt. Vor allem im unteren Bereich zeigt sich immer noch der originale Zustand der Bauzeit um 1367.

Historische Mauern für die Zünfte der Stadt

Vier der neun Türme sind an Zünfte der Stadt Luzern vermietet. So dient der Nölliturm der Zunft zu Safran als Zunftstube und Archiv. Im Dächliturm befindet sich im obersten Turmgeschoss die Stube der Schweizerischen Schreinermeister und die Weyzunft fand im Pulverturm die perfekte Zunftstube. Die Vereinigung Luzerner Maskenfreunde erkor den Allenwindenturm gemeinsam mit dem Tambourverein der Stadt als Vereinslokal und Maskenstube.

Lebensräume und Lebensträume in alten Gemäuern

Längst Vergangenem folgt immer neues Leben. Verweilen Sie während der Besichtigung entlang der Museggmauer und schenken Sie der Natur rund um das Mauerwerk und in seinen Fugen, Nischen und Spalten Ihre Aufmerksamkeit. Sie entdecken eine spannende Artenvielfalt an Tieren und Pflanzen. Seltene Brutvogelarten finden in diesem ökologisch wertvollen Bereich genauso ihren Lebensraum wie Fledermäuse oder Mauereidechsen.